Archiv für den Monat April 2012

Die Irrationalität der Irrationalität: Das Paradox der Populärpsychologie

  • Relevanz: Es geht um eine grundsätzliche Verzerrung in der menschlichen Entscheidungsfindung. Wir sind kaum in der Lage alle Fakten sorgfälltig abzuwägen. Wir verlassen uns eher auf eine knackige Geschichte. (Das BILD-Syndrom)
  • Inhalt: Probanden werden mit allen Details einer strittigen Angelegenheit vertraut gemacht, in der sich zwei Auffassungen gegenüber stehen. Anschließend hören sie zusätzlich die Auffassung eines Vertreters einer Seite. Es zeigt sich, daß die Probanden dazu neigen, dieser zuletzt gehörten Auffassung zu folgen, obwohl sie zuvor alle Details präsentiert bekommen haben. Es scheint erwiesen zu sein, daß Menschen sich an gut erzählten Geschichten eher orientieren als an umfassenden Faktensammlungen. Selbst Präsentationen, daß wir uns derart verhalten, können dieses heuristische Verhalten nicht ohne weiteres kompensieren. Es ist natürlich für uns, komplexe Sachverhalte in leichter verdauliche Stücke zu zerlegen. Ein Teil der Lösung ist, sich mit der Auffassung der Gegenseite vertraut zu machen. Man sollte, auch wenn es unbequem ist, sich auf die Argumente der Gegenseite einlassen:

Hör gut zu; analysiere Argumente logisch; vermeide vorschnelle Konklusionen; verlasse dich nicht zu sehr auf Geschichten. Euripides hat es so formuliert: Hinterfrage alles, lerne etwas, beantworte nichts.

Why We Reason

Here’s my latest on ScientificAmerican.com 

In 1996, Lyle Brenner, Derek Koehler and Amos Tversky conducted a study involving students from San Jose State University and Stanford University. The researchers were interested in how people jump to conclusions based on limited information. Previous work by Tversky, Daniel Kahneman and other psychologists found that people are “radically insensitive to both the quantity and quality of information that gives rise to impressions and intuitions,” so the researchers knew, of course, that we humans don’t do a particularly good job of weighing the pros and cons. But to what degree? Just how bad are we at assessing all the facts?

To find out, Brenner and his team exposed the students to legal scenarios. In one, a plaintiff named Mr. Thompson visits a drug store for a routine union visit. The store manager informs him that according to the union contract with the drug store…

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Kumaré: Ein wahrer Film über einen falschen Propheten

Time VideoA True Film about a False Prophet.

Sri Kumaré

Sri Kumaré aka Vikram Gandhi

Relevanz: Jeder gewöhnliche Mensch kann ein Guru werden. Aber was macht einen Menschen wirklich zu einem Guru? Es ist die Interaktion, nicht das geheime besondere Etwas.

Inhalt: (Bezieht sich auf auf diesen Artikel, der Film ist noch nicht angelaufen) Der Filmemacher Vikram Gandhi aus Brooklyn verwandelt sich in einen falschen Guru und schart um sich eine Gemeinde echter Anhänger. Es ist ein soziales Experiment, das er filmt und nun in einer Dokumentation veröffentlicht. Kernpunkt des auch via Internet – Facebook etc. – durchgeführten Experiments, ist Gandhis Suche nach einem Guru der bereit ist zuzugeben, daß Gurus keine besondere Wahrheit zu vermitteln hätten? Da Gandhi keinen solchen Guru findet, entwirft er ihn selbst.

Der Film vermittelt nicht die einfache Wahrheit, jeder Guru sei ein falscher Guru. Viel mehr vermittelt er, daß die Guru-Schüler-Beziehung eine Interaktion ist, in der der Guru genauso durch sein Gegenüber geformt wird wie der Schüler. Brisant ist, daß Gandhi thematisiert was ihm bewusst wird indem er Menschen als Guru gegenüber tritt, die ihn für echt halten: Die Identität die er an nimmt, stellte sich als das heraus was er tatsächlich sein will.

Wie viele ‚echte‘ Gurus sind in der Lage, sich einem solchen Erkenntnisprozess zu stellen?

Der Film läuft in den U.S. am 20.6.12 an.

Web-Site: Kumaré

Montclair Filmfest Festival

Eine weitere gute Rezension (english) =>hier.

Vgl. auch diesen Text => Der Zauberer

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„Ist rationales Denken der Feind von Religion?“

Relevanz: In buddhistischem Kontext wird oft davon ausgegangen, dass Nachdenken uns von der Wahrheit und unserem Glück fernhält. Der Artikel bespricht eine Studie, die nun den Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und rationalem Denken untersucht.

Inhalt: Die Artikel fassen eine wissenschaftliche Studie zusammen, die in Nature erscheint. Darin wird ein negativer Zusammenhang zwischen analytischem Denken und religiösen Glaubenssätzen beobachtet.

Die benutzte Methodik lässt es zu diesen Zusammenhang als kausal zu werten und einen losen Zusammenhang wie „Atheisten denken häufiger analytisch“ als alleinige Erklärung auszuschließen.

Neben diesem Vorteil, gibt es (wie in der Wissenschaft üblich) zahlreiche Einschränkungen. So ist die Stichprobe z.B. nicht repräsentativ und beschränkt sich auf glaubensmäßige Überzeugungen, die einen jüdisch-christlichen Hintergrund benötigen. Zudem basieren die Messungen der Religiösität aus Selbstauskünften der Probanden und könnten auch nur temporär sein.

Die Studie macht zudem keine Aussage über andere Formen der Religiösität, insbesondere nicht über die reiche Tradition religiösen Denkens. Passend zu letzterem vielleicht das folgende Zitat von tagesspiegel.de:

Käßmann […] sprach sich dafür aus, einen „gebildeten Glauben“ in das Zentrum des Gedenkjahres zu stellen. „Gegen jedwede Ausprägung von Fundamentalismus ist eine Kernbotschaft zum Reformationsjubiläum: selbst denken!“

Links: nature.com: Is rationality the enemy of religion? und publicaffairs.ubc.com: Analytic thinking can decrease religious belief: UBC study.

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Thomas Metzinger über Spiritualität & Intellektuelle Redlichkeit

Relevanz: In Form und Inhalt exemplarischer Vortrag der zeigt was erkenntnistheoretisches Denken ausmacht. Inhaltlich zeigt er, daß es eine Verpflichtung zur Intellektuellen Redlichkeit gibt.

Inhalt: Thomas Metzinger, Professor für theoretische Philosophie, Universität Mainz, geht in diesem Vortrag drei Fragen nach.

  1. Was  ist  das  Spiritualität?
  2. Was  ist  intellektuelle  Redlichkeit?
  3. Gibt   es   eine   begriffliche   Verbindung   zwischen   den   beiden   Einstellungen?

Er kommt dabei zu überraschenden Einsichten – jedenfalls wenn man bedenkt, was heute umgangssprachlich mit dem Begriff Spiritualität verbunden wird. Die erste Frage etwa beantwortet er, nach sorgfältiger Herleitung so: „Spiritualität also ist eine epistemische Einstellung. Spirituelle Personen wollen nicht glauben, sondern wissen.“ Spiritualität ist „eine radikal existentielle Form von Selbsterkenntnis“. Dabei ist „Unbestechlichkeit […] der semantische Kern eines wirklich philosophischen Begriffs der Spiritualität.“ 

„Unbestechlichkeit brauchen wir in zwei Richtungen: gegenüber den Vertretern metaphysischer Glaubenssysteme, die die Meditationspraxis an eine irgendwie auch immer geartete Theorie zu binden versuchen, wie auch gegenüber den ideologischen Formen des Reduktionismus, die alle nicht-­wissenschaftlichen Formen des Erkenntnisgewinns aus rein weltanschaulichen Gründen diskreditieren möchten.“

Interessant ist zu sehen, wie sorgfältig er seine Argumentation aufbaut. Er stellt nicht etwa einfach Behauptungen in den Raum, sondern er argumentiert. Wie kommt er zu seiner Auffassung von Spiritualität als „radikaler Selbstkenntnis“? „Intellektuelle Redlichkeit bedeutet, dass man einen bedingungslosen Willen zur Wahrheit und zur Erkenntnis besitzt und zwar auch dann, wenn es um Selbsterkenntnis geht und auch dann, wenn Selbsterkenntnis einmal nicht mit schönen Gefühlen einhergeht.“ Diese Redlichkeit ist nach Metzinger zwingend. Er leitet das über den Kant’schen Moralbegriff her, nach dem „der  Mensch,  als  moralisches  Wesen,  sich  selbst  gegenüber  zur   Wahrhaftigkeit  verpflichtet ist.“

Er zeigt außerdem das in der abendländischen Philosophietradition ein starker Zusammenhang zwischen Bewusstsein und Gewissen besteht. Darüber hinaus zeigt er, daß der Begriff vom Bewusstsein dasjenige bezeichnet, das erkennt, daß es denkt. D.h. es gibt einen Zusammenhang zwischen einer meditativen Übung die den Blick auf das eigene Bewusstsein schärft und einem Gewissen, das mit diesem Bewusstsein notwendig verbunden ist (jedenfalls nach Kant). Die Pflicht zur Einübung einer intellektuellen Redlichkeit wird damit zur Voraussetzung einer Spiritualität der radikalen Selbsterkenntnis.

Der Zusammenhang der beiden Begriffe, 3. Frage, besteht darin, daß die intellektuelle Redlichkeit keine Annahmen mehr zulassen kann, die auf Dogmatismus oder Fideismus beruhen.

„Fideismus“  nennt  man  in  der  Philosophie  die  These,  dass  es  völlig  legitim  ist,  an  einer  Überzeugung   festzuhalten,  wenn  es  keine  guten  Gründe  oder  Evidenzen  für  sie  gibt,  sogar  Gegenargumente.“

Und weiter:

„Wenn man sich in vollständiger Abwesenheit positiver theoretischer oder praktischer Gründe gestattet, einfach an einem bestimmten Glauben festzuhalten, dann hat man die ganze Idee einer Ethik des inneren Handelns bereits aufgegeben.“

Metzinger wendet dann seine Argumentation auf drei Bereiche an, die auch den Buddhismus betreffen.

  1. Religion, Gott. 2. Leben nach dem Tod. 3.Erleuchtung

Bei allen dreien kommt er zu dem Schluss, daß sie aus begrifflicher und empirischer Perspektive nicht haltbar sind.

Zum Abschluss bekräftigt er drei Thesen.

  1.  Das Gegenteil von Religion ist nicht Wissenschaft, sondern Spiritualität.
  2. Das ethische Prinzip der intellektuellen Redlichkeit kann man als einen Sonderfall der spirituellen Einstellung analysieren.
  3. Die wissenschaftliche und die spirituelle Einstellung entstehen in ihren Reinformen aus derselben normativen Grundidee.

Die normative Grundeinstellung hat zwei Aspekte:

„Der unbedingte Wille zur Wahrheit -­ es geht um Erkenntnis, nicht um Glauben -­ und das normative Ideal der absoluten Wahrhaftigkeit. […] [I]n der reflexiven Wendung nach innen, in der Wendung des Willens zur Wahrheit auf sich selbst, auf den Vorgang des Wissenwollens und des Erkenntnissuchens selbst entsteht dann die Spiritualität, die spirituelle Einstellung und aus ihr heraus die intellektuelle Redlichkeit, und die ist der Kernbestand der wissenschaftlichen Methode, der selbstkritische Rationalismus.“

So gesehen ist Spiritualität tatsächliche das Fundament.

Link pdf „Spiritualität und Intellektuelle Redlichkeit“

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Shravasti Dhammika: Kritische Reflektionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus

Essay aus 2001 von Shravasti Dhammika: „Der zerbrochene Buddha“

Kritische Reflektionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus

Inhalt:

In diesem Essay berichtet Shravasti Dhammika über die Zustände in asiatischen Klöstern. Meditationsübungen seien dort weitgehend unbekannt, es herrsche Korruption und Machtmissbrauch. Eine Bildung der Mönche in buddhistischer Lehre und Schrift sei, nach Shravasti Dhammika, so gut wie nicht vorhanden.

Die Übersetzung dieses Textes versteht sich als Beitrag zum Verständnis des Theravada-Buddhismus. Wir weisen darauf hin, dass die in diesem Essay gemachten, teilweise kritischen Aussagen auf den selbst gemachten Erfahrungen des Autors oder ihm berichteten Erfahrungen glaubwürdiger Zeugen beruhen und dessen rein subjektive Sicht über den Theravada-Buddhismus und seiner in Asien und im Westen herrschenden Verhältnisse widerspiegeln. Wir wissen nicht, ob der Autor seitdem Aussagen seines Textes revidiert hat. Die Übersetzer haben sich bemüht, den Text so objektiv und vorurteilsfrei wie möglich zu übersetzen und enthalten sich eines jeden Kommentars. Sie wollen den Text für sich sprechen lassen.

via Satinanda e. V.

Google-Ansicht:

Zoho-Ansicht | PDF-Download

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Sam Harris: Killing the Buddha

Killing the Buddha | samharris.org

Relevanz Kritik an der heutigen Verfassung des Buddhismus als Religion und der damit einhergehenden Dogmen.

Inhalt

Im Artikel kritisiert Sam Harris die Tatsache, dass Buddhismus eine Religion ist. Religionen befreiten demnach ihre Anhänger davon Beweise für ihre Behauptungen darzubringen. Zudem führten die unterschiedlichen Dogmen zu einer Trennung zwischen den Menschen und ihren Arten ihr Leben zu bewältigen (z.B. christliche Meditation vs. buddhistische Meditation), anstatt einen gemeinsamen Boden zu bieten für einen Austausch, wie es z.B. die Wissenschaften täten (keine christliche vs. buddhistische Physik). Als Schlussfolgerung fordert er die Abschaffung des Buddhismus und die Etablierung einer „contemplative science“ einer Wissenschaft, die eben – zusätzlich zur politischen, ethischen, biochemischen Analyse – sich auf spirituelle Art und Weise mit dem Menschen befasst. Der Buddhismus dürfte dann zwar seine Weisheiten dazu beisteuern, müsste aber in letzter Konsequenz zurückbleiben.

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Guardian: The YouTube confessional sending shockwaves through the Buddhist world

The YouTube confessional sending shockwaves through the Buddhist world | Guardian

Relevanz: Der Artikel wirft ein kritisches Licht auf die Hintergründe und Strukturen des tibetischen Lama-Systems und der Romantisierung durch seine Anhänger.

Inhalt: Der Artikel beim Guardian fasst die Geschehnisse um Kalu Rinpoche zusammen. Dieser berichetet u.a. in einem Video auf Youtube von sexuellem Missbrauch, Mordversuchen und der alles bestimmenden Rolle von Macht(strukturen) und Geld im Kloster und seinem eigenen Alkohol- und Drogenmissbrauch. Dies setzt er in Kontrast zu den Erwartungen und Vorstellungen vieler Anhänger.

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Prof. Dr. Jens Schlieter: Die buddhistische Haltung zum Klonen des Menschen

Aufsatz von Prof. Dr. Jens Schlieter: Die buddhistische Haltung zum Klonen des Menschen

Inhalt:

Angesichts der jüngsten biotechnischen Forschung, die das Klonen des Menschen konkret in Aussicht stellt, wird im Folgenden die Haltung der buddhistischen Traditionen, soweit sich diese bisher dazu geäußert haben, zu Fragen des therapeutischen und reproduktiven Klonens vorgestellt und diskutiert

Google-Ansicht:

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Adbusters: Occupied Economy

Occupied Economy | Adbusters Culturejammer Headquarters.

Artikel aus dem amerikanischen Magazin Adbusters.

Relevanz: Ökonomisches Hintergrundwissen USA; Post-Wachstum-Ökonomie; Occupy.

Inhalt: Der Artikel begint mit dem Hinweis darauf, das Aktiengesellschaften in der Form wie sie heute in den USA normal sind, zur Zeit der Gründung des Landes illegal gewesen wären.

Er weisst hin auf die Zwänge die aus der heutigen Ökonomie entstehen (können). Daß z.B. die Entnahme von Profiten zu Gunsten der Belegschaft illegal ist, da Profite nur den Aktionären zustehen. Diese Profitmaximierung fördert eine immer größere Konzentration von Kapital bei immer weniger Aktionären. Gleichzeitig übernehmen sie Risiken nur für das von ihnen eingeschossene Kapital, nicht aber für Schäden jenseits davon – große Umweltschäden z.B.

Die Konklusion ist, daß die Lösung nicht in weiterem Wachstum bestehen kann (dem Mantra der Standard-Ökonomie). Im Gegenteil, weiteres Wachstum verhindert weitere Entwicklung anstatt sie zu fördern.

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