Shravasti Dhammika: Kritische Reflektionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus

Essay aus 2001 von Shravasti Dhammika: „Der zerbrochene Buddha“

Kritische Reflektionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus

Inhalt:

In diesem Essay berichtet Shravasti Dhammika über die Zustände in asiatischen Klöstern. Meditationsübungen seien dort weitgehend unbekannt, es herrsche Korruption und Machtmissbrauch. Eine Bildung der Mönche in buddhistischer Lehre und Schrift sei, nach Shravasti Dhammika, so gut wie nicht vorhanden.

Die Übersetzung dieses Textes versteht sich als Beitrag zum Verständnis des Theravada-Buddhismus. Wir weisen darauf hin, dass die in diesem Essay gemachten, teilweise kritischen Aussagen auf den selbst gemachten Erfahrungen des Autors oder ihm berichteten Erfahrungen glaubwürdiger Zeugen beruhen und dessen rein subjektive Sicht über den Theravada-Buddhismus und seiner in Asien und im Westen herrschenden Verhältnisse widerspiegeln. Wir wissen nicht, ob der Autor seitdem Aussagen seines Textes revidiert hat. Die Übersetzer haben sich bemüht, den Text so objektiv und vorurteilsfrei wie möglich zu übersetzen und enthalten sich eines jeden Kommentars. Sie wollen den Text für sich sprechen lassen.

via Satinanda e. V.

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5 Gedanken zu „Shravasti Dhammika: Kritische Reflektionen über den Theravada und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus

  1. Sanghanussati sagt:

    Dieser immer wieder angepriesene und kommentarlos als Tatsachenbericht angekündigte Aufsatz von Samanera Dhammika sagt m.E. viel mehr über den Autor und seine Ansichten aus, als daß er einer neutralen Darstellung der tatsächlichen Verhältnisse in den buddhistischen Kernländern gerecht würde. Der Buddhismus, also die traditionell und institutionell tradierte Buddhalehre, ist unleugbar weltweit in einer Krise, von seinen Einrichtungen her wie auch ganz besonders von Seiten der tatsächlichen Lehrumsetzung und Verwirklichung. Die Alternativen, die Dhammika aufzeigt und geradezu einklagt, werden von ihm selbst im reellen Leben weder vorgelebt noch sind sie letztendlich im Sinne des Erwachten der Zielgerichtetheit auf die Verwirklichung des Nibbanas zuträglich. Dhammika führt persönlich einen gänzlich anderen Lebensstil als wie ihn der meist zum weltfremd-buddhophilen Idealismus tendierenden Leser erwarten würde. Die obige Inhaltsbeschreibung über die Zustände in asiatischen Klöstern, daß dort Meditationsübungen weitgehend unbekannt seien oder nur mehr Korruption und Machtmissbrauch vorherrsche, sogar eine Bildung der Mönche in buddhistischer Lehre und Schrift so gut wie nicht mehr vorhanden sei ist eine bizarre Übertreibung ad absurdum. Reform und Verbesserungsbedarf ist natürlich – wie in allen der Veränderung, Verschlechterung und Vergänglichkeit unterworfenen Dingen und Systemen dieser Welt – zu allen Zeiten stark notwendig. Dies war sogar zu Lebzeiten des Erwachten so, als mancher Mönch Dinge anstellte, die heute kaum jemand wagen würde und daher die Vinaya-Regeln je nach Situation und Fall aufgestellt wurden. In diesem Kontext ist es wichtig aufzuzeigen: Der Impuls für eine lehrgemäße Erneuerung des Ordens (Sangha) und die qualitative Verbesserung des buddhistischen Gemeinschaftslebens kommt nicht aus der medialen Empörung der der buddhistischen Lebenswelt ziemlich fernstehenden Beobachter in westlichen Blogmedien, sondern allein von beherzten und engagierten Lehrern und Vorbildern aus der buddhistischen Lebenswelt selbst. Der Autor des Artikels wie auch die lieben Freunde des Satinanda Vereins führen seltsame Selbstgespräche und Klagedialoge im Abseits der Großen Lehrgemeinschaft (Mahasangha). Ob diese Anprangerungen wohl eher der Selbstbeweihräucherung und Selbstbildaufwertung dienlich sind, jedoch letzten Endes – nach all dem Internet- und Bloggeschnattere – jeglicher wirklicher Reformkraft entbehren, sollte einmal gründlich geprüft werden. Auch wenn es noch so sehr dem Zeitgeist zu entsprechen scheint: Nur wer es besser machen kann, es also kompetent und von Mitgefühl bewegt vormacht und reformerischer zum Wohle der Zeitgenossen sich einsetzt, wird auch etwas erreichen. Hierzu muß man aber notwendigerweise auch ein Mitglied der Gemeinschaft sein. Wie naiv hingegen muß man sein, wenn man einer Beschreibung des Protestantismus von einem Konvertiten zum Katholizismus alleingültig Glauben schenken würde! Dhammika selbst, hat sich ja vom Theravada losgesagt und sogar die Bhikkhuwürde aufgegeben. Auch ist es wichtig zu bedenken, daß tatsächlichen Verhältnisse in den buddhistischen Kernländern ohne Sprachkenntnisse allein kulturell schon nicht erschließbar sind. Als besonders meinungsführend in dieser Debatte sticht der Schlag von Menschen ins Auge, die selbst unfähig waren sich jemals für längere Zeiträume überzeugend und harmonisch in einen buddhistischen Kulturraum einzuordnen, ihr westlich-imperialistisches „Wir sind die wahren (oder auch: bessern) Buddhisten“ Ego abzulegen, ein- und untergeordnet in einem Gemeinschaftsverband verantwortungs- und pflichtbewußt freudig und dankbar mitzuleben, sich der Ordensregel gemäß zu üben um dann schließlich sang- und klanglos zu scheitern und zu einer Alarmsirene für den Weltbuddhismus zu evolutionieren. Dem „säkularen Buddhisten“ ist so ein Artikel natürlich ein gefundenes Fressen. Aber auch ihm möge bewußt sein: At the feast of ego, everyone leaves hungry!

    • saibhu sagt:

      Hallo Sanghanussati,

      wenn du eine Gegendarstellung (z.B. mit konkreten Zahlen) hast, würden wir das gerne hier veröffentlichen. Immer her damit!

      Der Impuls für eine lehrgemäße Erneuerung des Ordens (Sangha) und die qualitative Verbesserung des buddhistischen Gemeinschaftslebens kommt nicht aus der medialen Empörung der der buddhistischen Lebenswelt ziemlich fernstehenden Beobachter in westlichen Blogmedien, sondern allein von beherzten und engagierten Lehrern und Vorbildern aus der buddhistischen Lebenswelt selbst.

      Könntest du genauer erklären wie du zu der Annahme kommst? Auch der Buddhismus befindet sich ja in einem Austausch mit der Außenwelt und nimmt Anregungen auf. Also wenn jemand den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche kritisiert, dann empfiehlt man ihm doch auch nicht dort einzutreten um etwas zu verändern.

      Ich persönlich bilde mir auch nicht ein, dass unser Blog da etwas bewegt. Dafür ist er auch nicht da. Für mich ist so ein Artikel auch eine Anregung sich mit der eigenen Romantisierung (lies: Illusion) des Buddhismus auseinander zu setzen. Also dient er eher dazu Ego ab- als aufzubauen.

      Grüße,
      Saibhu

      P.S.: Eine generelle Analyse der Geschichte/Beweggründe von „Buddhismuskritikern“ fände ich tatsächlich auch interessant. Ich halte das „enttäuschte Liebe“-Phänomen für gar nicht selten (macht es die Kritik automatisch irrelevant?). Imyohorengekyo hingegen ist Mahayana-Buddhist, dort gehört das Motzen über den Theravada ja schon seit Jahrhunderten zum Programm (vielleicht waren die ersten Mahayana-Buddhisten auch nur enttäuscht). Auch hier gilt: wenn du da spannende Analysen/Einsichten hast: immer her damit🙂

    • Vielen Dank für deinen aufschlussreichen Kommentar. Die Artikel in diesem Blog dienen nicht zur Untermauerung irgendeiner Ansicht oder einer Richtung. Wir sammeln einfach nur Quellen, die uns unter die Augen kommen. Daher freuen wir uns auch immer über informative Kommentare.

      […] die lieben Freunde des Satinanda Vereins führen seltsame Selbstgespräche und Klagedialoge […]

      Dhammika selbst, hat sich ja vom Theravada losgesagt und sogar die Bhikkhuwürde aufgegeben.

      Hast du irgendwelche Quellenlinks oder andere Hinweise dazu?

  2. Hanzze sagt:

    Selbst etwas, im Bezug auf die gegenwärtigen Verläufe des Anhängerhaschens in der „modernen“ Welt, anhaftend, hatte ich trotz gewahrseins dieser wahrscheinlich dummen Geistesthaltung dennoch den Drang hier auch noch ein paar Worte loszuwerden und werde versuchen sie damit auch etwas loszuschütteln.

    Auch mich würde interessieren, ob es zu der Behauptung : „Dhammika selbst, hat sich ja vom Theravada losgesagt und sogar die Bhikkhuwürde aufgegeben.“ auch etwas greifbareres gibt, da dies einige Anhaftungen und Bemühungen lockern würde.

    Zu „die lieben Freunde des Satinanda Vereins führen seltsame Selbstgespräche und Klagedialoge“ möchte ich bemerken, daß bevor man das Erwachen erlangt hat, man wohl immer Selbstgespräche führt und diese manchmal, wenn der Zuhörer sich wertvolles heraus nimmt oder an wertvolles im Bezug auf Nibbana erinnert fühlt, ihr Gutes und manchmal ihr Schlechtes haben, was dann immer noch von Zuhörer/Leser abhängt. Zugänglich machen, heißt ja noch lange nicht, sich auf eine Seite zu begeben, sollte es eine Seite geben.

    All dies trift auch ganz gut in die Kerbe „Dem “säkularen Buddhisten” ist so ein Artikel natürlich ein gefundenes Fressen. Aber auch ihm möge bewußt sein: At the feast of ego, everyone leaves hungry!“, die Sanghanussati (eine gute Sache, wenn dann nicht auf zum selben wird, was ja nicht leicht ist) aufgetan hat und ist wohl dann auch gut wieder gut mit ein paar Worten Buddhas bis auf weiteres zugekittet:

    What Was Not Said

    „Monks, these two slander the Tathagata. Which two? He who explains what was not said or spoken by the Tathagata as said or spoken by the Tathagata. And he who explains what was said or spoken by the Tathagata as not said or spoken by the Tathagata. These are two who slander the Tathagata.“

    A Meaning to be Inferred

    „Monks, these two slander the Tathagata. Which two? He who explains a discourse whose meaning needs to be inferred as one whose meaning has already been fully drawn out. And he who explains a discourse whose meaning has already been fully drawn out as one whose meaning needs to be inferred. These are two who slander the Tathagata.“

    Im ürgigen erledigt sich vieles wenn man selbst seriös praktiziert und sich die Dinge nicht nur in der Wohnzimmerchouch besieht und besinnt. Den dort ist es schwer, wie ja auch diese Geschichte deutlich für jede die es schwer haben, erzählt und anderen deutlich winkt:

    http://www.accesstoinsight.org/tipitaka/kn/ud/ud.6.02.than.html

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