Kumaré: Ein wahrer Film über einen falschen Propheten

Time VideoA True Film about a False Prophet.

Sri Kumaré

Sri Kumaré aka Vikram Gandhi

Relevanz: Jeder gewöhnliche Mensch kann ein Guru werden. Aber was macht einen Menschen wirklich zu einem Guru? Es ist die Interaktion, nicht das geheime besondere Etwas.

Inhalt: (Bezieht sich auf auf diesen Artikel, der Film ist noch nicht angelaufen) Der Filmemacher Vikram Gandhi aus Brooklyn verwandelt sich in einen falschen Guru und schart um sich eine Gemeinde echter Anhänger. Es ist ein soziales Experiment, das er filmt und nun in einer Dokumentation veröffentlicht. Kernpunkt des auch via Internet – Facebook etc. – durchgeführten Experiments, ist Gandhis Suche nach einem Guru der bereit ist zuzugeben, daß Gurus keine besondere Wahrheit zu vermitteln hätten? Da Gandhi keinen solchen Guru findet, entwirft er ihn selbst.

Der Film vermittelt nicht die einfache Wahrheit, jeder Guru sei ein falscher Guru. Viel mehr vermittelt er, daß die Guru-Schüler-Beziehung eine Interaktion ist, in der der Guru genauso durch sein Gegenüber geformt wird wie der Schüler. Brisant ist, daß Gandhi thematisiert was ihm bewusst wird indem er Menschen als Guru gegenüber tritt, die ihn für echt halten: Die Identität die er an nimmt, stellte sich als das heraus was er tatsächlich sein will.

Wie viele ‚echte‘ Gurus sind in der Lage, sich einem solchen Erkenntnisprozess zu stellen?

Der Film läuft in den U.S. am 20.6.12 an.

Web-Site: Kumaré

Montclair Filmfest Festival

Eine weitere gute Rezension (english) =>hier.

Vgl. auch diesen Text => Der Zauberer

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9 Gedanken zu „Kumaré: Ein wahrer Film über einen falschen Propheten

  1. saibhu sagt:

    Klingt schonmal sehr spannend.

    Das ist ja eh mein Notfallplan, wenn sonst nix klappt beruflich. Dann gründe ich einfach eine Sekte. Nach dem Legoprinzip eine kleine Lehre zusammenbasteln und ein paar Leute suchen, die gerade eine Projektionsfläche brauchen.

    Als ich die Idee das erste mal hatte dachte ich „warum machen das nicht viel mehr Menschen?“ und dann „hm, vielleicht ist es genau das was passiert?“

    • Als ich die Idee das erste mal hatte dachte ich “warum machen das nicht viel mehr Menschen?” und dann “hm, vielleicht ist es genau das was passiert?”

      Wenn man sich mal genauer umschaut, ist die Zahl der komischen Vereine, bei denen die Menschen ihre Freiheit und ihre Finanzen abtreten, zahlreicher denn je. Es gibt ja auch die vielen christlichen Sekten, die nur selten Erwähnung finden. Oder andere komischen Sekten, wie „Damanhur“.

  2. Ich glaube du hast Recht, es ist genau das was passiert. Nach dem Legoprinzip werden vom Esoterikmarkt tausende von Heilslehren zusammen gebastelt.

    Mir kommt der ketzerische Gedanke, ob nicht die „Selbstverwirklichung“ damit zu tun hat. Vielleicht funktioniert die Idee der Selbstverwirklichung selbst nicht und deswegen gibt es diese vielen Ratgeber und Lehren vom wahren Selbst usw. Das heisst, eigentlich muss man nur mit der Selbstverwirklichung Schluss machen um allen Problemen mit dem Selbst ein Ende zu setzen. Ich glaube das liesse sich gut verkaufen.

    • saibhu sagt:

      Ich glaube das Problem ist eher die Sehnsucht nach „Ratgebern“. Bei Kindererziehung wird das ja ab und zu kritisiert. Meistens weiss man selber besser was zu tun ist als der Ratgeber und selbst wenn nicht, dann schafft man es auch nicht fremde Ratschlage authentisch umzusetzen.

      Spannend wäre es im Grunde die Lehren jeweils wieder auseinander zu bauen. So ähnlich wie das die Doktorarbeiten-Plagiatsjäger machen. Dummerweise benutzt niemand ganze Textbausteine, so dass das ganze viel zu viel Arbeit wäre.

      Naja, soll ja auch kein neues Esowatch werden hier ^^

    • Mir kommt der ketzerische Gedanke, ob nicht die “Selbstverwirklichung” damit zu tun hat.

      Wieso ketzerischer Gedanke? Wo kein “Selbst” ist, kann auch das “Selbst” nicht verwirklicht werden. Selbstverwirklichung ist ein Schlagwort der Eso-Szene. Das hat im Kern nichts mit Buddhismus zu tun.

  3. saibhu sagt:

    Vielleicht noch was zu der Ratgebersache:

    Ich denke da ist durchaus Bezug zu dem was wir hier machen. Wenn das schlechte an Ratgebern/Gurus ist, dass die Leute nicht ihren eigenen Überzeugungen folgen, sondern denen des Ratgebern/Gurus, dann wäre Aufklärung im Sinne von kritischem Hinterfragen ein geeignetes Gegenmittel.

    Zusätzlich würde die weitesgehende Abschaffung der Transzendenz die Möglichkeiten verringern Dinge dem Diskurs zu entziehen (es könnte natürlich immer noch Transzendenz geben, aber nur im Sinne von Wittgensteins „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“).

    Wenn ich mal auf jemand treffe, der sich damit auskennt muss lass ich mir mal erklären wie das im Christentum mit der Reformation funktioniert hat.

  4. Der Film ist ab 11.12.12 auf iTunes.

  5. Elisabeth Herzer sagt:

    Ich babe gestern den Film gesehen und ich bin begeistert. Ja wir sindalle selbst im Stande unser Leben zu leben so wie wir es wollen. Wir können die Verantwortun nicht eine „Guru“ übergeben, der alles weiß. Ein toler und gut gemachter Film.

    • Ja, ein guter Film. Er ist vor allem dramaturgisch spannend gemacht. An manchen Stellen hält man unwillkürlich den Atem an. An anderen bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

      Ich hätte gerne mehr über die Diskussion von Ghandi und seinen zwei Helferinnen gehört. Das ist ein kleines Manko.

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