Über den Glauben der Säkularen Buddhisten

Glenn Wallis: On the Faith of Secular Buddhists

Relevanz: Artikel über die dem Säkularen Buddhismus nach Stephan Batchelor zu Grunde liegend Glaubenssätze. Hypothese: Diese Glaubenssätze seien in der Tat derart, daß der Säkulare Buddhismus „ununterscheidbar wird von allen anderen Formen religiösen Glaubens.“ Zum Hintergrund ist ein Verständnis des Spekulativen Non-Buddhismus wichtig; siehe dazu diesen Text: Nascent Non-Buddhism (eine Übersetzung des Textes wird beim Unbuddhisten erscheinen). Wallis bezieht sich auf diesen Text von Stephan Batchelor: A Secular Buddhist. Wichtiger Beitrag zur Diskussion im deutschsprachigen Raum zur Frage, „wie weiter mit dem Buddhismus?“ und insbesondere ,ob der Säkulare Buddhismus in der Form wie ihn Stephan Batchelor präsentiert eine Lösung ist. Vergleiche auch den vorhergehenden Artikel „SBA/STEPHEN SCHETTINI: “SO WHAT?”

Inhalt: Es werden „Fünf Glaubensartikel“ heraus gestellt, die den Säkularen Buddhismus definieren.

  1. Der Transzendentale Dharma: Der Dharma ist nicht zusammen gesetzt. Er ist ein zeitloses Produkt das uns hier und heute über die „letztendlich wichtigen Belange“ aufklärt. Tatsächlich sei „Der Dharma“ aber eine „transzendente Norm die sich in allen Varianten des Buddhismus zeigt, egal ob säkular-wissenschaftlich oder selbstverliebt hingebungsvoll, eine Norm die sich nicht von anderen universellen Verabsolutierungen unterscheidet, sei es Gott, Logos, Dao oder das Intelligente Design.
  2. Der Buddha: Stephen Batchelor unternimmt es den wahren Buddha als einen großen menschlichen Meister aus dem Palikanon heraus zu kristallisieren. Tatsächlich sei aber der Fall, daß jegliche historische Sicherheit, daß jemals diese idealisierte Figur existierte zur Karikatur verkomme. „Die Darstellung des Buddha im klassischen Palikanon ist ein Gebräu verschiedener kollektiver Vorstellungen, die im Verlauf mehrerer Jahrhunderte ihre Finger bei der Herausbildung des Kanons im Spiel hatten.“
  3. Besondere Lehren: Der Buddha habe der Menschheit ganz besondere Lehren übergeben. Batchelor extrahiert vier solcher Lehren aus dem Palikanon: Das Prinzip der Bedingtheit; der Prozess der Vier Noblen Wahrheiten; die Praxis der Achtsamkeit; die Kraft des Selbstvertrauens. Tatsächlich aber machen diese vier Besonderheiten den Buddhismus nach Wallis‘ Auffassung endgültig entbehrlich. „Alle vier wurden und werden im Verlauf der Geschichte formuliert und weiter entwickelt, und zwar in einer Art die bei weitem höher entwickelt ist, und damit auch einem modernen Publikum zugänglicher, als in einem  altertümlichen, asketischen Buddhismus.“
  4. Das Prinzip der zureichenden Buddhismus: Diese Prinzip besagt kurz und bündig, daß man nichts ausser dem Buddhismus benötigt und es (ver)führt zur Annahme der unter Punkt drei aufgeführten besonderen Lehren . Für Batchelor scheint diese Prinzip ausgemachte sache zu sein. Tatsächlich aber ist es ein Ausschluss aller anderen jemals von der Menschheit gemachten Entdeckungen und Entwicklungen.
  5. Ideologische Rechtschaffenheit: Der Säkulare Buddhismus geriert sich als eine offene Ideologie, die nichts zu verbergen hat. Der Säkulare Buddhismus sei, nach Batchelor, natürlich, empirisch, pragmatisch und stimme mit der Wissenschaft überein. Weiter sei er eine offensichtliche Tätigkeit und keine stillschweigende Überzeugung. Er stellt sich als dar als eine offene Ideologie die nichts verbirgt. Die (impliziten) Postulate des Säkularen Buddhismus, Punkte 1 bis 4 , zeigen aber, daß dem nicht so ist. D.h. der Säkulare Buddhismus geht von transzendenten Annahmen aus, die er nicht als solche deklariert. Der Entscheidende Unterschied zwischen einer tatsächlichen und einer vorgeblichen Rechtschaffenheit ist aber gerade der das erstere ihre Ideologie offenlegt und freimütig bekennt.

Wallis‘ abschliessendes Urteil: „Batchelor tut genau das, von dem er vorgibt es nicht zu tun: Er unternimmt die nächste modernistische Neukonfiguration einer traditionellen asiatischen Form des Buddhismus.“

Ich teile die Überzeugung, daß wir eine radikale neue Form des Denkens und der Praxis für unsere Zeit benötigen. Ich denke deshalb, daß es ein reichlich unglückliches Unterfangen ist, mit dem Säkulare Buddhisten daran gehen aus dem schwankenden und morschen Wrack eines altertümlichen Gefährtes namens Buddhismus vermeintlich brauchbare Teile zu bergen.

Getaggt mit , , ,

7 Gedanken zu „Über den Glauben der Säkularen Buddhisten

  1. saibhu sagt:

    Es geht ans Eingemachte🙂

  2. Matthias sagt:

    Oh ja. Es geht rund.

  3. Zu Punkt 3 kann ich die Philosophische Einführung in den frühen Buddhismus von Hansjörg Pfister sehr empfehlen.

    Er erläutert das Prinzip der Bedingtheit, die Vier Edlen Wahrheiten und den Achtfachen Pfad im Frühbuddhismus aus der vedischen Epoche kommend. Dabei wird klar, wie weit sich sogar der Theravada von den ursprünglichen Lehren entfernt und diese umgestaltet hat.

    Ist in Punkt 4 ein Rechtschreibfehler? Muss es nicht heißen „und es (ver)führt zur Annahme der unter Punkt drei aufgeführten besonderen Lehren“?

  4. Matthias sagt:

    imyohorengekyo: stimmt, da hatte ich mich vertan. danke

  5. […] Glenn Wallis wrote a critique of Stephen Batchelor’s Secular Buddhism a short while ago (find a German summary here). […]

  6. Hanzze sagt:

    Wenn der eine oder andere es mit der empfohlenen Askese aufnehmen würde und das Wohnzimmerasketentum aufgeben würde, würden sich so einige Fragen erübrigen. Ob er jedoch in der Lage wäre dies seinen zurückgelassenen Wohnzimmerasketen später erklären zu können, sein dahingestellt.
    Wenn man jedoch an der Wohnzimmeraskese festhält wird man auch mit allen Mitteln für seine Vertretbarkeit kämpfen, wie eben ein Mann, der von zwei anderen Männern an den Armen geschnappt auf ein Haufen Glut hinzugezerrt wird.
    Selbstehrlichkeit muß natürlich über jedem „Projekt“ stehen, wenn man Interesse am Überwinden und weniger am bestehen bleiben hat.

    Ein guter Artikel zu dem, zu dem wahrscheinlich grundlegenden hemmende Problem, ist:

    Affirming the Truths of the Heart – Die Wahrheit des Herzen bejahen
    http://vanaradari.blogspot.com/2012/10/die-wahrheit-des-herzen-bejahen.html

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