Archiv für den Monat Juni 2012

Jayarava’s Raves: Warum verlieben sich Dummköpfe?

Link: Jayarava’s Raves: Why Do Fools Fall in Love?

Relevanz: Jayavara erklärt einige Verhaltensweisen von Buddhisten in dem er sie mit Liebenden vergleicht.

Inhalt: Ausgehend vom Palikanon erklärt Jayavara, dass der erste Schritt zum Buddhisten vergleichbar sei mit einem Sich-Verlieben. Das Bild des Liebenden benutzt er dann um einige Verhaltensweisen von Buddhisten heute zu erklären. Liebe mache einen eifersüchtig und besitzergreifend. Dies würde den Stolz von Buddhisten auf ihre Lehrabstammung, ihre Texte und ihre Tradition erklären. Die Liebe zu einem Prinzip, einer abstrakten Idee vermeide die Enttäuschung (Nebenbemerkung: großartiges deutsches Wort Ent-täuschung), die bei der Liebe zu einer (unerleuchteten) Menschen unvermeidbar sei. Zusätzlich würde Liebe die Art und Weise verändern wie wir Informationen (Fakten) verarbeiten. Ähnlich wie in der Relativitätstheorie die Masse den Raum krümmt, so krümme die Liebe den Raum der Vernunft.

In der oft zitierten Metapher aus der Aladgadūpama Sutta ist das Dhamma das Floß das wir verlassen müssen wenn wir die andere Seite erreichen. Unglücklicherweise wird das Dhamma für viele Menschen eher ein Mahlstein, der uns davon abhält überhaupt abzulegen, geschweigedenn die andere Seite zu erreichen

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Thanissaro Bhikkhu: The Roots of Buddhist Romanticism

Das Essay bei Access to Insight

Relevanz: Der Text geht darauf ein wie der Buddhismus im Westen über Ideen aus der Romantik präsentiert wird und fordert diese Einflüsse transparent zu machen und letztendlich zu beseitigen.

Inhalt: Der Text beschreibt den starken und gleichzeitig verdeckten Einfluss der westlichen Psychologie auf die westliche Art den Buddhismus zu verstehen. Diese wiederum sei stark von den Denkern der deutschen Romantik beeinflusst. Ideen wie Intersein, Ganzheit, Egotranszendenz würden letztlich aus der deutschen Romantik stammen und weniger aus dem Buddhismus.

Die Romantiker erkannten als erste die Probleme der Moderne, das Gefühl der Fragmentierung, Isolation und Einengung. Ihre Kur sei der kreative künstlicher Akt, Spontantität, Spielhaftigkeit und Einssein. Bis Heute würde der Buddhismus unter diesem Licht betrachtet.

Eigentlich hätte der Buddhismus allerdings eine völlig andere Auffassung davon was das Problem und schlieslich auch die Lösung sei. So würde der Buddhismus z.B. durch Ethik und Tugend ein Gefühl von selbst stärken und das Empfinden von Einssein (Jhana) sei nicht das Ziel sondern nur der Weg. Dieser Weg hätte, im Gegensatz zur Vorstellung der Romantik und der heutigen Psychologie ein erreichbares Ziel (Erleuchtung). Dieses bestünde aber nicht im Transzendieren von Dualitäten, sondern im Erlangen von Wissen.

Der Romantiker, so Thanissaro Bhikkhu, würde Erfüllung dadurch erlangen, dass er eine Antwort findet auf die Frage „Was ist meine wahre Identität?“. Der Buddhist hingegen erwache zum Verständnis, dass diese Frage bereits falsch gestellt sei.

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Tempelschlaf

Relevanz: Literatur. Sonntag Mittag in der Laube oder vor dem einschlafen der/dem Liebsten vorlesen.

Ralf  Rothmann ist einer der wirklich fähigen zeitgenössischen deutschen Erzähler. Er fängt Situationen auf eine  sehr genau und klare Art ein. Es sind Details die ein Situation ausmachen. Details die man nur ganz persönlich so wahr nimmt. Wenn man seine Erzählungen liest, sieht man etwas, wie wenn man etwas persönlich erlebte. Das macht wohl einen guten Erzähler aus – diese Form der Phänomenologie, die im Bewusstsein des Lesers eine Form des Selbst Erlebens entstehen oder etwas wie eine klare Erinnerung wirken lässt.

Im Tempelschlaf erinnert man sich in diesem Sinne an ein kleines japanischen Zenkloster. David ist Religionswissenschaftler und mit seiner Frau Marisa auf einer Vortragsreise durch Japan. Er kommt auf die verwegene Idee einige Tage in einem  Zenkloster  zu verbringen. Rothmanns Schilderung ist weder sympathisierend noch idealisierend oder desillusionierend. Sie ist genau, lehrreich, humorvoll, überraschend. Sie enthält eine wunderbare Schilderung einer langen Zazen-Sitzung, eines kleinen Sartoris zum Abschluss als der Gong ertönt und schliesslich eine unerwartete Wendung mit der die Erzählung schließt.

Die Erzählung Tempelschlaf findet sich in Ralf Rothmanns Shakespeares Hühner, erschienen bei Suhrkamp.

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