Tempelschlaf

Relevanz: Literatur. Sonntag Mittag in der Laube oder vor dem einschlafen der/dem Liebsten vorlesen.

Ralf  Rothmann ist einer der wirklich fähigen zeitgenössischen deutschen Erzähler. Er fängt Situationen auf eine  sehr genau und klare Art ein. Es sind Details die ein Situation ausmachen. Details die man nur ganz persönlich so wahr nimmt. Wenn man seine Erzählungen liest, sieht man etwas, wie wenn man etwas persönlich erlebte. Das macht wohl einen guten Erzähler aus – diese Form der Phänomenologie, die im Bewusstsein des Lesers eine Form des Selbst Erlebens entstehen oder etwas wie eine klare Erinnerung wirken lässt.

Im Tempelschlaf erinnert man sich in diesem Sinne an ein kleines japanischen Zenkloster. David ist Religionswissenschaftler und mit seiner Frau Marisa auf einer Vortragsreise durch Japan. Er kommt auf die verwegene Idee einige Tage in einem  Zenkloster  zu verbringen. Rothmanns Schilderung ist weder sympathisierend noch idealisierend oder desillusionierend. Sie ist genau, lehrreich, humorvoll, überraschend. Sie enthält eine wunderbare Schilderung einer langen Zazen-Sitzung, eines kleinen Sartoris zum Abschluss als der Gong ertönt und schliesslich eine unerwartete Wendung mit der die Erzählung schließt.

Die Erzählung Tempelschlaf findet sich in Ralf Rothmanns Shakespeares Hühner, erschienen bei Suhrkamp.

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