Thanissaro Bhikkhu: The Roots of Buddhist Romanticism

Das Essay bei Access to Insight

Relevanz: Der Text geht darauf ein wie der Buddhismus im Westen über Ideen aus der Romantik präsentiert wird und fordert diese Einflüsse transparent zu machen und letztendlich zu beseitigen.

Inhalt: Der Text beschreibt den starken und gleichzeitig verdeckten Einfluss der westlichen Psychologie auf die westliche Art den Buddhismus zu verstehen. Diese wiederum sei stark von den Denkern der deutschen Romantik beeinflusst. Ideen wie Intersein, Ganzheit, Egotranszendenz würden letztlich aus der deutschen Romantik stammen und weniger aus dem Buddhismus.

Die Romantiker erkannten als erste die Probleme der Moderne, das Gefühl der Fragmentierung, Isolation und Einengung. Ihre Kur sei der kreative künstlicher Akt, Spontantität, Spielhaftigkeit und Einssein. Bis Heute würde der Buddhismus unter diesem Licht betrachtet.

Eigentlich hätte der Buddhismus allerdings eine völlig andere Auffassung davon was das Problem und schlieslich auch die Lösung sei. So würde der Buddhismus z.B. durch Ethik und Tugend ein Gefühl von selbst stärken und das Empfinden von Einssein (Jhana) sei nicht das Ziel sondern nur der Weg. Dieser Weg hätte, im Gegensatz zur Vorstellung der Romantik und der heutigen Psychologie ein erreichbares Ziel (Erleuchtung). Dieses bestünde aber nicht im Transzendieren von Dualitäten, sondern im Erlangen von Wissen.

Der Romantiker, so Thanissaro Bhikkhu, würde Erfüllung dadurch erlangen, dass er eine Antwort findet auf die Frage „Was ist meine wahre Identität?“. Der Buddhist hingegen erwache zum Verständnis, dass diese Frage bereits falsch gestellt sei.

 

[edit] In den Kommentaren kam der Hinweis auf das Essay “Individuation and Awakening: Romantic Narrative and the Psychological Interpretation of Buddhism” von Richard K. Payne im Buch „Buddhism and Psychotherapy across Cultures: Essays on Theories and Practices“ (Wisdom, 2006), das man auch bei Google Books Kanada findet.

[edit #2] Zusätzlich bietet der Wikipedia-Artikel zur Romantik eine gute Einführung, in der die Romantik zum einen in den kulturellen und historischen Kontext (Gegenbewegung zur Aufklärung, Wegbereiter für den Nationalismus) eingebettet wird und zum anderen viele Ideen dargestellt werden, die sich im heutigen Buddhismis wieder finden (z.B. Anti-Intellektualismus, Arbeiten mit Widersprüchen).

Nachtrag Eine deutsche Übersetzung findet man hier. Danke an Hanzze in den Kommentaren für den Link.

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6 Gedanken zu „Thanissaro Bhikkhu: The Roots of Buddhist Romanticism

  1. rkpayne sagt:

    Meine lieber Saibhu,
    I would suggest to your readers interested in further on this topic, my own essay, „Individuation and Awakening: Romantic Narrative and the Psychological Interpretation of Buddhism,“ Richard K. Payne, in Mark Unno, ed., Buddhism and Psychotherapy across Cultures: Essays on Theories and Practices, Wisdom, 2006. For an excellent study on Romanticism and psychotherapy, which informed my own essay, the interested reader can also consult Suzanne R. Kirschner, The Religious and Romantic Origins of Psychoanalysis: Individuation and Integration in Post-Freudian Theory, Cambridge, 1996.
    Vielen Dank.

    • saibhu sagt:

      Hi RKPayne,

      thank you very much for pointing to your essay.

      So far, I only read it once which means I probably missed a lot. Still, I found it to be very interesting. It seems to me that you to support the general structure of Thanissaro Bhikkhus argument that Buddhism to us looks familiar, not because it actually is familiar, but because we „make“ it that way (by romanticising).

      Fascinating to me was the description how todays „naturalised“ Buddhism is not a slightly new interpretation of Buddhism, but actually changes the underlying narrative from the original Buddhist to a christian one. What struck me even more was the critique that the original Buddhist narrative in a therapeutic context could be confusing and thus harmful.

      I’ll read your essay again at some point in the next few days and write a german summary similar to the summary above. I think it really sheds new light to the current developement in Buddhism.

    • saibhu sagt:

      Hi again,

      I posted a comment with some more thoughts about your essay here: http://speculativenonbuddhism.com/2012/06/08/are-buddhists-stupid/#comment-6668

  2. Hanzze sagt:

    Hier eine Übersetzung ins Deutsche für Interessierte:
    http://home.arcor.de/einsicht/romantik.html#anfang

    • saibhu sagt:

      Danke für den Link – habs in den Originalartikel reineditiert. Ist die Übersetzung auch von dir? Dann schreib ich das noch dazu.

      • hanzze sagt:

        Nein, von Lothar Schenk, er hat relativ unbemerkt viele Texte vom ehrwürdigen Thanissaro und andere Essasy auf acesstoinsight übersetzt. Gewisser Maßen eine Schatzgrube, seine eher versteckte und sehr einfache Webseite.
        Ein Glück, daß man nicht von Deutschtalenten wie mir anhängig sein muß, daß würde ich niemanden zumuten wollen.

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