Film: Kumaré jetzt im Netz

Der Dokumentarfilm Kumaré (wurde schon erwähnt, vgl. => hier) ist jetzt im Netz, z.B. bei iTunes, englischsprachig erhältlich.

Der Film dürfte für alle von Interesse sein, die sich mit dem Verhältnis von Lehrern und Schülern befassen und dabei insbesondere der Frage nachgehen wie es überhaupt zu einer starken Bindung kommen kann, wenn das um was es geht, eine vermutete innere Qualität ist. (vgl. dazu auch hier: Der Zauberer).

Der Film ist allerdings nicht als reiner Dokumentarfilm gestaltet. Schnitt und Musik entwickeln eine Dramaturgie die den Zuschauer in eine spannungs-, erwartungs- und teilnahmsvolle Haltung versetzen. (Der Film Wiederkehr – My Reincarnation ist in dieser Hinsicht viel eher eine wirkliche Dokumentation)

Man leidet vor allem mit Kumaré, dem Fake-Guru, der irgendwann bemerkt, daß die Leute die er als Jünger um sich zu scharen beginnt echte Hoffnung in ihn setzten. Es wird klar, daß er das Experiment nicht so ohne weiteres plötzlich beenden kann, ohne in den Ruch zu kommen sich eine bösen Scherz auf Kosten einiger Gutgläubiger geleistet zu haben. Der Film ist dramaturgisch auf diese Problematik hin ausgerichtet. Er ist dabei an manchen Stellen wirklich komisch, an anderen Stellen bleibt einem das Lachen buchstäblich im Halse stecken. Die eigentliche Enthüllung schließlich ist dramatisch zugespitzt gestaltet und ist in dem Sinne dann eher Unterhaltung statt Aufklärung.

Zu kurz kommen bei dieser Ausrichtung die Hintergründe der drei eingeweihten Akteure – Kumaré und zwei Helferinnen. Man erführe gerne etwas über deren Diskussion während des Experiments.

In Bezug auf die eingangs gestellte Frage, wie es zu einer starken persönlichen Bindung auf Grund einer vermuteten inneren Qualität kommen kann, gibt der Fim eine ernüchternde Antwort. Ist die Kulisse einmal überzeugend installiert, kann der Guru sagen was er will, es wird immer in einer Weise interpretiert die es als Wort des Weisen auslegt. Selbst „I am a fake“ kann er sagen, ohne daß es irgend jemand wörtlich nimmt.

Am interessantesten meiner Ansicht nach ist, daß sehr klar wird welchem Erwartungsdruck der Guru ausgesetzt ist. Als Kumaré bemerkt, daß er sich nicht mehr so einfach aus der Affaire ziehen kann, macht er die Not zur Tugend. Er entwickelt eine Botschaft, die darauf hinausläuft seine Enthüllung zur eigentlichen Lehre zu machen. Er wird also tatsächlich zum Guru. Ob es ihm dabei gelingt seinen Jüngern seine Botschaft wirklich rüberzubringen, halte ich für fraglich. Er ist nicht der einzige Guru, der imm er wieder behauptet, er sei ein ganz normaler Mensch – der Dalai Lama legt auf diese Feststellung großen Wert – ohne daß das der Verheiligung durch die Jünger etwas anhaben könnte.

Der Aspekt des Erwartungsdruckes der auf dem Guru lastet dürfte einer derjenigen sein die in all den Diskussionen um die Lehrer-Schüler-Beziehung viel zu wenig beachtet werden.

Alles in allem ein sehr sehenswerter Film. Vor allem in buddhistischen oder anderen spirituellen Gruppen die einem ‚großen‘ Lehrer folgen, könnte dieser Film zu anregenden Diskussionen führen.

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2 Gedanken zu „Film: Kumaré jetzt im Netz

  1. Hanzze sagt:

    Da ich selten bis gar keine Filme sehen, kann ich nur auf den Text zurückkommen und mir daraus ein Bild machen. Ich denke, daß das hier ein sehr wichtiges Thema ist, obgleich es dem Guru – (in maya – Illusions) zugeneigten, wahrscheinlich nicht von seinen karmischen Umständen trennen wird. Wäre das möglich, hätten wir keine Kriege und Verwirrungen auf der Welt.

    Maya (starke Illusion mit tanha verknüpft) und Satheyya (Betrügerei) sind „verantwortlich“ maßgeblich für solche Guru (besser Anführer) Erscheinungen. Manchmal sind sie mehr der Aversion und manchmal mehr der Gier zuzuordnen. Wie immer setzt es eine gute Portion on ditthi (falscher Sichtweise) sprich moha voraus auch wenn es meist als „Mitgefühl“ gegaubt wird, ist da wenig an Weisheit dahinter.

    Im Falle des Dalai Lama z.B. ist dieser durch seine Ehrlichkeit ein Alltagsmensch zu sein, entweder geschützt oder eben genau dies der „Trick“ an der Sache. Die Verantwortung liegt hier jedoch ganz bei ihm, so wie auch die Verantwortung bei jedem einzelnen liegt, Dingen zu folgen oder nicht.

    Die Lehrer – Schüler -Verbindung (nissaya) ist sehr grundlegend auf dem Weg der Praxis und daher hat Buddha seinen Schulern viele Werkzeuge hinterlassen, um dieses nutzvoll zu erhalten. Der sicherste Prüffaktor ist die Lebensweise und der Lebensunterhalt eines Lehrers: „Ist er von Anhängern abhängig?“, „Kommt sein Erreichen aus der Interaktion mit Anhängern?“

    Ein sehr gutes und wichtiges Thema, da normale Menschen ganz andere Vorstellungen von gut (kusala) und heldenhaft (weise) haben, als es letztlich gut und weise genannt werden kann. Sollange man die niedrigen Fesseln nicht abgelegt hat, ist es schwierig sich zu orientieren. Dennoch geben die Texte guten Aufschluß über die Eigenschaften von Guten Lehreren und auch aus dem Vergleich mit den Verhaltensregeln kann man etwas orientieren sehen.

    Hier zum vorläufigen Abschluß vielleicht noch ein Sutta:

    Iti 1.17

    Dies wurde vom Erhabenen gesagt, vom Aarahant gesagt, so hab ich es gehört:

    „Mit Bezug zu äusseren Faktoren, zeichne ich keinen anderen Faktor als großartige Freundschaft heraus; vieles es wirkt, für einen Bhikkhu in Übung, der das Ziel des Herzens noch nicht erreicht, doch an der Absicht zur unübertroffenen Sicherheit von Unfreiheit fest hält. Ein Bhikkhu, der ein Freund von großartigen Leuten ist, legt ab was ungeschickt und nimmt an was geschickt.“

    Ein Bhikkhu mit großartigen Leuten
    als Freund
    – der ehrerbietend, respektvoll ist,
    tut, was seine Freunde anweisen –
    achtsam, aufmerksam,
    erreicht Schritt für Schritt
    das Ende aller Fessel.

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