Archiv des Autors: saibhu

Kommentare zu „Sitting, Full of Shit“ von Adam Miller

In den Kommentaren zum Beitrag „Sitting, Full of Shit (Übersetzung erscheint später auf Der Unbuddhist) entspann sich eine Diskussion zum Thema Langeweile. Hier mal, quasi als kleinen Testballon, einige Gedanken daraus. Zur Orientierung bzw. Nachlesen immer die Kommentarnummer(n) dazu.

  • 16. Langeweile als Luxusproblem – um voller Scheisse zu sitzen braucht man erst einmal etwas zu essen
  • 21. Unterschiedliche Bedeutungen von Langeweile
  • 22. & 24. Gefahr dass Langweile zu einer philosophischen Haltung wird, wie im Kapitalismus und Postmodernismus. Das göttliche und von den Umständen unangetastete Selbst als Rückzugsort vor der Welt. Das buddhistische Nichtselbst als Zerstörung dieses Rückzugsortes und die Verhinderung der Weltabgewandtheit. Kritik der vermeintlich ideologiefreien Ideologien als Langeweile. Entfliehen aus der Welt der Ideologie nicht möglich.
  • 29. Die Gelangweilten – Ein Gedankenexperiment. Die Gruppe der Gelangweilten, die sich aus ihrer Langeweile nicht in den Konsumismus flüchtet. Die Gelangweilten werden ab einer bestimmten Größe gefährlich für das System (Kapitalismus). Langeweile darf nicht als akzeptabel angesehen werden.
  • Langeweile als Grundwahrheit des Menschen. Langeweile als Antriebskraft sich zu engagieren und die Umstände, die Langeweile erzeugen zu ändern. Buddhismus als Gegenkraft, die dem Menschen Langeweile erträglich macht anstatt ihn als Antrieb zur Änderung zu nutzen.
Advertisements

KimKierkegaardashian

Relevanz: Keine. Überhaupt gar keine. (*)

Inhalt: Über den Twitteraccount @kimkierkegaard verbreitet der Author Zitate des Philosophen Søren Kierkegaard, die er für den maximalen Kontrast mit Zitaten von Kim Kardashian kombiniert.

(*) Natürlich hat das ganze durchaus eine Relevanz. Durch die Kombination von philosophischen Gedanken mit dem eher banalen Getwitter eines Pop-Stars wird der Kontrast zwischen philosophischer Tiefe und der heutigen Pop-Kultur sehr direkt deutlich. Dieser Kontrast ist bei anderen Formen der Verschmischung nur implizit sichtbar und es benötigt eine kritische Auseinandersetzung mit der entsprechenden Form um diese Strukturen explizit sichtbar zu machen.

Jayarava’s Raves: Warum verlieben sich Dummköpfe?

Link: Jayarava’s Raves: Why Do Fools Fall in Love?

Relevanz: Jayavara erklärt einige Verhaltensweisen von Buddhisten in dem er sie mit Liebenden vergleicht.

Inhalt: Ausgehend vom Palikanon erklärt Jayavara, dass der erste Schritt zum Buddhisten vergleichbar sei mit einem Sich-Verlieben. Das Bild des Liebenden benutzt er dann um einige Verhaltensweisen von Buddhisten heute zu erklären. Liebe mache einen eifersüchtig und besitzergreifend. Dies würde den Stolz von Buddhisten auf ihre Lehrabstammung, ihre Texte und ihre Tradition erklären. Die Liebe zu einem Prinzip, einer abstrakten Idee vermeide die Enttäuschung (Nebenbemerkung: großartiges deutsches Wort Ent-täuschung), die bei der Liebe zu einer (unerleuchteten) Menschen unvermeidbar sei. Zusätzlich würde Liebe die Art und Weise verändern wie wir Informationen (Fakten) verarbeiten. Ähnlich wie in der Relativitätstheorie die Masse den Raum krümmt, so krümme die Liebe den Raum der Vernunft.

In der oft zitierten Metapher aus der Aladgadūpama Sutta ist das Dhamma das Floß das wir verlassen müssen wenn wir die andere Seite erreichen. Unglücklicherweise wird das Dhamma für viele Menschen eher ein Mahlstein, der uns davon abhält überhaupt abzulegen, geschweigedenn die andere Seite zu erreichen

Getaggt mit , ,

Thanissaro Bhikkhu: The Roots of Buddhist Romanticism

Das Essay bei Access to Insight

Relevanz: Der Text geht darauf ein wie der Buddhismus im Westen über Ideen aus der Romantik präsentiert wird und fordert diese Einflüsse transparent zu machen und letztendlich zu beseitigen.

Inhalt: Der Text beschreibt den starken und gleichzeitig verdeckten Einfluss der westlichen Psychologie auf die westliche Art den Buddhismus zu verstehen. Diese wiederum sei stark von den Denkern der deutschen Romantik beeinflusst. Ideen wie Intersein, Ganzheit, Egotranszendenz würden letztlich aus der deutschen Romantik stammen und weniger aus dem Buddhismus.

Die Romantiker erkannten als erste die Probleme der Moderne, das Gefühl der Fragmentierung, Isolation und Einengung. Ihre Kur sei der kreative künstlicher Akt, Spontantität, Spielhaftigkeit und Einssein. Bis Heute würde der Buddhismus unter diesem Licht betrachtet.

Eigentlich hätte der Buddhismus allerdings eine völlig andere Auffassung davon was das Problem und schlieslich auch die Lösung sei. So würde der Buddhismus z.B. durch Ethik und Tugend ein Gefühl von selbst stärken und das Empfinden von Einssein (Jhana) sei nicht das Ziel sondern nur der Weg. Dieser Weg hätte, im Gegensatz zur Vorstellung der Romantik und der heutigen Psychologie ein erreichbares Ziel (Erleuchtung). Dieses bestünde aber nicht im Transzendieren von Dualitäten, sondern im Erlangen von Wissen.

Der Romantiker, so Thanissaro Bhikkhu, würde Erfüllung dadurch erlangen, dass er eine Antwort findet auf die Frage „Was ist meine wahre Identität?“. Der Buddhist hingegen erwache zum Verständnis, dass diese Frage bereits falsch gestellt sei.

Weiterlesen

Getaggt mit ,

Rick Heller: Occupy the Moment!

Website zum Buch

Relevanz: Rick Heller beschreibt in diesem E-Book psychologische/biologische Sachverhalte, die zur Schädlichkeit (z.B. Umweltzerstörung) des Ökonomischen Systems beitragen und erklärt inwiefern buddhistische Praktiken wie Achtsamkeit dabei helfen können, diese Verhaltensweisen zu überwinden.

Inhalt: Das Buch erklärt anhand von verschiedenen Beispielen, wie ursprünglich sinnvolle psychologische Mechanismen zu übertriebenem Konsum und einer zerstörerischen Wirtschaft führen. Achtsamkeit könne dabei helfen mit diesen Verhaltensweisen bewusster umzugehen.

So stelle das Streben nach höherem relativen Status zwar oft einen wichtigen Antrieb dar, sei aber weder für die Gesellschaft ein Gewinn, da andere dadurch relativ abgewertet würden (Nullsummenspiel) noch für das Individuum ein Zugewinn an Glück, da sich die Vergleichsgruppe ebenfalls verändere. Die fehlende Sättigung herbei könne dann eben zu einer verschwenderischen Wirtschaft und zu übertriebenem Überkonsum beitragen.

Achtsamkeit könne nun dabei helfen, sich der biologisch-bedingten Reaktionsweisen bewusst zu werden und damit besser umzugehen. Zudem könne ein Konsum mit Achtsamkeit ähnlich viel Freude im Augenblick erzeugen bei geringerem Verbrauch. Z.B. in dem Achtsamkeit Gewöhnungseffekten entgegen wirkt und so bereits bekannte Dinge „wie neu“ empfunden werden.

Das ganze unterfüttert Rick Heller mit Erkenntnissen der Neuro-Wissenschaften und der Psychologie/Biologie. Dabei belässt er es bei einfachen und leicht-verständlichen Erklärungen, ohne zu sehr zu vereinfachen. So differenziert er z.B. zwischen „Glück im Moment“ und genereller Lebenszufriedenheit und weisst auf die prinzipielle Nützlichkeit vieler Mechanismen hin, anstatt sie zu verteufeln. Zusätzlich hält als Humanist genug Distanz zur buddhistischen Lehre, z.B. in dem er nicht unterschlägt, dass bis zu einem gewissen Wohlstand mehr Einkommen sehr wohl die Lebenszufriedenheit erhöht.

Ergänzt wird das ganze durch Meditations- oder Achtsamkeitsübungen, die wie üblich am Ende der Kapitel stehen und auch inhaltlich wenig Neues bringen. Eine Ausnahme stellt vielleicht das achtsame Lesen eines Magazins dar, das die Auswirkung von Werbung auf unsere Psyche bewusst machen soll.

SBA/Stephen Schettini: „So What?“

Stephen Schettini: „So What?“

Relevanz: Der Artikel setzt sich mit der Kritik auseinander auch säkularer Buddhismus sei ein Buddhismus mit Glaubenssätzen. Entgegen der Erwartung entkräftet der Artikel den Vorwurf nicht, sondern gesteht ein die Suche nach der Wahrheit im Zweifel hinten anzustellen.

Inhalt: Stephen Schettini reagiert mit dem Artikel auf den Artikel On the Faith of Secular Buddhists (Zusammenfassung hier). Dort legt Glenn Wallis dar, dass auch säkularer Buddhismus nach Stephen Batchelor – entgegen seiner Selbstdarstellung („Buddhismus für Ungläubige“) – nicht ohne Glaubenssätze auskommt. So stütze der säkulare Buddhismus sich z.B. immer noch auf die Aussagen Buddhas, die er meint aus den historisch beeinflussten Texten extrahieren zu können.

Stephen Schettini gesteht nun sämtliche Kritikpunkte ein, stellt diese aber als letztlich irrelevant dar. Die von Glenn Wallis und den speculative Non-Buddhists gemachten Aussagen seien zwar wahr, aber es ginge im säkularen Buddhismus eben nicht (nur) um die Wahrheit. Die Suche nach selbiger würde nur davon ablenken ein Leben voll Glück und Mitgefühl zu führen.

Getaggt mit , ,

Buddha und die Jediritter

May the 4th be with you! | Spiritual Naturalist Society

Relevanz: Es wird vorgeschlagen mit der Haltung, an die auch an die Religion der Jedi-Ritter herangegangen wird, auch an „richtige“ Religionen heranzugehen.

Inhalt: In dem verlinkten Artikel wird über den positiven Einfluss und die Inspiriation der Religion der Jedi-Ritter aus Star Wars berichtet. Durch den starken Einfluss auf die Popkultur, habe Star Wars so viele Ideen und Konzepte aus verschiedenen philosophischen und religiösen Strömungen (u.a. aus dem Buddhismus) in selbige transportiert. Hinter den zahlreichen übernatürlichen Elemente (z.B. die Macht) würden so zahlreiche positive Ideen vermittelt. Dieses Prinzip würde die Spiritual Naturalist Society auch auf „nicht-fiktionale“ Religionen anwenden.

Getaggt mit ,

„Ist rationales Denken der Feind von Religion?“

Relevanz: In buddhistischem Kontext wird oft davon ausgegangen, dass Nachdenken uns von der Wahrheit und unserem Glück fernhält. Der Artikel bespricht eine Studie, die nun den Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und rationalem Denken untersucht.

Inhalt: Die Artikel fassen eine wissenschaftliche Studie zusammen, die in Nature erscheint. Darin wird ein negativer Zusammenhang zwischen analytischem Denken und religiösen Glaubenssätzen beobachtet.

Die benutzte Methodik lässt es zu diesen Zusammenhang als kausal zu werten und einen losen Zusammenhang wie „Atheisten denken häufiger analytisch“ als alleinige Erklärung auszuschließen.

Neben diesem Vorteil, gibt es (wie in der Wissenschaft üblich) zahlreiche Einschränkungen. So ist die Stichprobe z.B. nicht repräsentativ und beschränkt sich auf glaubensmäßige Überzeugungen, die einen jüdisch-christlichen Hintergrund benötigen. Zudem basieren die Messungen der Religiösität aus Selbstauskünften der Probanden und könnten auch nur temporär sein.

Die Studie macht zudem keine Aussage über andere Formen der Religiösität, insbesondere nicht über die reiche Tradition religiösen Denkens. Passend zu letzterem vielleicht das folgende Zitat von tagesspiegel.de:

Käßmann […] sprach sich dafür aus, einen „gebildeten Glauben“ in das Zentrum des Gedenkjahres zu stellen. „Gegen jedwede Ausprägung von Fundamentalismus ist eine Kernbotschaft zum Reformationsjubiläum: selbst denken!“

Links: nature.com: Is rationality the enemy of religion? und publicaffairs.ubc.com: Analytic thinking can decrease religious belief: UBC study.

Getaggt mit , ,

Sam Harris: Killing the Buddha

Killing the Buddha | samharris.org

Relevanz Kritik an der heutigen Verfassung des Buddhismus als Religion und der damit einhergehenden Dogmen.

Inhalt

Im Artikel kritisiert Sam Harris die Tatsache, dass Buddhismus eine Religion ist. Religionen befreiten demnach ihre Anhänger davon Beweise für ihre Behauptungen darzubringen. Zudem führten die unterschiedlichen Dogmen zu einer Trennung zwischen den Menschen und ihren Arten ihr Leben zu bewältigen (z.B. christliche Meditation vs. buddhistische Meditation), anstatt einen gemeinsamen Boden zu bieten für einen Austausch, wie es z.B. die Wissenschaften täten (keine christliche vs. buddhistische Physik). Als Schlussfolgerung fordert er die Abschaffung des Buddhismus und die Etablierung einer „contemplative science“ einer Wissenschaft, die eben – zusätzlich zur politischen, ethischen, biochemischen Analyse – sich auf spirituelle Art und Weise mit dem Menschen befasst. Der Buddhismus dürfte dann zwar seine Weisheiten dazu beisteuern, müsste aber in letzter Konsequenz zurückbleiben.

Getaggt mit ,

Guardian: The YouTube confessional sending shockwaves through the Buddhist world

The YouTube confessional sending shockwaves through the Buddhist world | Guardian

Relevanz: Der Artikel wirft ein kritisches Licht auf die Hintergründe und Strukturen des tibetischen Lama-Systems und der Romantisierung durch seine Anhänger.

Inhalt: Der Artikel beim Guardian fasst die Geschehnisse um Kalu Rinpoche zusammen. Dieser berichetet u.a. in einem Video auf Youtube von sexuellem Missbrauch, Mordversuchen und der alles bestimmenden Rolle von Macht(strukturen) und Geld im Kloster und seinem eigenen Alkohol- und Drogenmissbrauch. Dies setzt er in Kontrast zu den Erwartungen und Vorstellungen vieler Anhänger.

Getaggt mit , , ,