Schlagwort-Archive: Religiosität

dradio: „Die Anfänge der Religionspsychologie“

Relevanz: Anatomie des religiösen Erlebens.

Buddhismus ist heute eine Religion der Verinnerlichung, einer Wendung nach innen, um dort die eigentliche Erfahrung zu machen. Das ist ein typischer Aspekt des Buddhismus im Westen. Diese Wendung nach innen, das religiöse Erleben als private Erfahrung, hat allerdings eine Geschichte die im Westen mit der Entwicklung des Protestantismus verbunden ist. Dieser Aspekt der Verinnerlichung steht im Kontrast zum Katholizismus. Die religiöse Erfahrung, “das Gespräch mit Gott“, wird im Protestantismus dem Individuum zugänglich. Die katholische Kirche lies das nicht zu. Der westliche populäre Buddhismus verschaft der privaten Religiosität eine Renaissance seit den 1970er Jahren.

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Kumaré: Ein wahrer Film über einen falschen Propheten

Time VideoA True Film about a False Prophet.

Sri Kumaré

Sri Kumaré aka Vikram Gandhi

Relevanz: Jeder gewöhnliche Mensch kann ein Guru werden. Aber was macht einen Menschen wirklich zu einem Guru? Es ist die Interaktion, nicht das geheime besondere Etwas.

Inhalt: (Bezieht sich auf auf diesen Artikel, der Film ist noch nicht angelaufen) Der Filmemacher Vikram Gandhi aus Brooklyn verwandelt sich in einen falschen Guru und schart um sich eine Gemeinde echter Anhänger. Es ist ein soziales Experiment, das er filmt und nun in einer Dokumentation veröffentlicht. Kernpunkt des auch via Internet – Facebook etc. – durchgeführten Experiments, ist Gandhis Suche nach einem Guru der bereit ist zuzugeben, daß Gurus keine besondere Wahrheit zu vermitteln hätten? Da Gandhi keinen solchen Guru findet, entwirft er ihn selbst.

Der Film vermittelt nicht die einfache Wahrheit, jeder Guru sei ein falscher Guru. Viel mehr vermittelt er, daß die Guru-Schüler-Beziehung eine Interaktion ist, in der der Guru genauso durch sein Gegenüber geformt wird wie der Schüler. Brisant ist, daß Gandhi thematisiert was ihm bewusst wird indem er Menschen als Guru gegenüber tritt, die ihn für echt halten: Die Identität die er an nimmt, stellte sich als das heraus was er tatsächlich sein will.

Wie viele ‚echte‘ Gurus sind in der Lage, sich einem solchen Erkenntnisprozess zu stellen?

Der Film läuft in den U.S. am 20.6.12 an.

Web-Site: Kumaré

Montclair Filmfest Festival

Eine weitere gute Rezension (english) =>hier.

Vgl. auch diesen Text => Der Zauberer

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„Ist rationales Denken der Feind von Religion?“

Relevanz: In buddhistischem Kontext wird oft davon ausgegangen, dass Nachdenken uns von der Wahrheit und unserem Glück fernhält. Der Artikel bespricht eine Studie, die nun den Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und rationalem Denken untersucht.

Inhalt: Die Artikel fassen eine wissenschaftliche Studie zusammen, die in Nature erscheint. Darin wird ein negativer Zusammenhang zwischen analytischem Denken und religiösen Glaubenssätzen beobachtet.

Die benutzte Methodik lässt es zu diesen Zusammenhang als kausal zu werten und einen losen Zusammenhang wie „Atheisten denken häufiger analytisch“ als alleinige Erklärung auszuschließen.

Neben diesem Vorteil, gibt es (wie in der Wissenschaft üblich) zahlreiche Einschränkungen. So ist die Stichprobe z.B. nicht repräsentativ und beschränkt sich auf glaubensmäßige Überzeugungen, die einen jüdisch-christlichen Hintergrund benötigen. Zudem basieren die Messungen der Religiösität aus Selbstauskünften der Probanden und könnten auch nur temporär sein.

Die Studie macht zudem keine Aussage über andere Formen der Religiösität, insbesondere nicht über die reiche Tradition religiösen Denkens. Passend zu letzterem vielleicht das folgende Zitat von tagesspiegel.de:

Käßmann […] sprach sich dafür aus, einen „gebildeten Glauben“ in das Zentrum des Gedenkjahres zu stellen. „Gegen jedwede Ausprägung von Fundamentalismus ist eine Kernbotschaft zum Reformationsjubiläum: selbst denken!“

Links: nature.com: Is rationality the enemy of religion? und publicaffairs.ubc.com: Analytic thinking can decrease religious belief: UBC study.

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