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Jayarava’s Raves: Wiedergeburt & Buddhistischer Fundamentalismus

Relevanz: Jayaravas Erwiderung Rebirth & Buddhist Fundamentalism auf Thanissaros 40-Seiten-Verteidigung des Wiedergeburtsglaubens The Truth of Rebirth.

Wiedergeburt, Erol Kinali

Wiedergeburt, Erol Kinali

Inhalt: Thanissaro Bikkhu, Theravāda-bhikkhu von Access to Insight, hat kürzlich einen lange Text verfasst in dem er die Wiedergeburt der buddhistischen Religion verteidigt. Jayarava geht hier ausführlich und mit  sehr guten Argumenten auf diesen Text ein. Jayarava ist Mitglied des Triratna Buddhist Order und großer Kenner der buddhistischen Paliliteratur. Sein Blog ist voll mit ausgezeichneten Texten, die sich mit Einsichten und Widersprüchen in diesem Bereich befassen. Wenn jemand in der Blogosphäre in der Lage ist, einem dogmatischen und fundamentalistischen Buddhismus von innen her Paroli zu bieten, dann ist er einer der wenigen. Deswegen ist sein Blog, neben einem anderen vielleicht, im englisch sprachigen Raum ein Muss für Leute die im Buddhismus etwas anderes sehen als eine Versicherung um der Endlichkeit zu entkommen.

Jayaravas wesentliche Argumente gegen Thanissaros Auffassung sind:

  1.  Thannisaro verlässt sich ausschließlich auf überlieferte Literatur. Man könne mit dieser allerdings auch gegen einen blinden Wiedergeburtsglauben argumentieren.
  2.  Als erfahrener Mönch müsse man die Wiedergeburt aus eigener Erfahrung kennen. Warum findet man dazu keine Auskünfte – weder bei Thannisaro noch bei sonst einem lebenden Buddhisten. (Angebliche ‚wissenschaftliche‘ Belege sind nicht stichhaltig) Jayarava: „Ich denke, daß Thanissaro und andere Buddhisten nicht deswegen für Wiedergeburt argumentieren, weil sie sie aus persönlicher Erfahrung kennen, sondern weil sie Angst vor den Konsequenzen haben wenn wir aufhören daran zu glauben.“
  3. Wenn man den schriftlichen Quellen unbedingten und buchstäblichen Glauben schenke, warum nicht auch anderen. Der Bibel zum Beispiel, daß die Welt vor 6000 Jahren in 7 Tagen geschaffen worden sei?
  4. Nach heutigem Wissen sei Wiedergeburt hochgrade unplausibl.
  5. Thanissaro glaube der Kanon gebe die persönlichen Worte des Buddha buchstäblich wieder.
  6. Tatsächlich sei der Palikanon eine Konglomerat verschiedenster Quellen, verschiedener Schulen und unterschiedlicher Sprachen und Dialekte. Es sei nachweisbar, daß wichtige Details in verschiedenen Quellen unterschiedlich dargestellt werden. Es sei nachweisbar, daß Mönche die ‚heiligen‘ Texte z.T. umgeschrieben haben. Übersetzer hätten z.T. die Kommentare übersetzt, wenn sie die Ursprungstexte nicht hätten interpretieren können. Man könne argumentieren, daß die Inkonsistenzen auf einen unvollständigen Standardisierungsprozess schliessen lassen usw. usf.

Schliesslich geht Jayarava auf die Gefahren eines solchen „buddhistischen Fundamentalismus“ ein.

  1. Er entmutige Menschen ihren Verstand zu gebrauchen.
  2. Er schwäche Individualität, so daß das Dogma in das Selbstbild aufgenommen wird;
  3. Was dazu führe, Andersdenkende zu stigmatisieren.
  4. Der Fundamentalismus mache es schwierig Wertvolles von Wertlosem im Buddhismus zu unterscheiden.
  5. Er mache das Bewusstsein taub für eigene Erfahrung.
Abschliessend bemerkt Jayarava, er denke Thanissaros Text sei als ein kleiner Sieg zu werten. Ein 40-seitige Apologie der Wiedergeburt zeige, daß die Argumente gegen die Wiedergeburt Fuß fassen und der ausschließliche Rückgriff auf einen irrigen Apel an Autorität vor Augen führe, wie schwach die Argumente für die Wiedergeburt tatsächlich seien.
Es ist klar. Unsere Argumente beginnen zu greifen und das Dogma ist nicht wirklich zu verteidigen.
Wer übersetzt diesen Text?!
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