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„Zen hat keine Moral!“

“Zen Has No Morals!” – The Latent Potential for Corruption and Abuse in
Zen Buddhism, as Exemplified by Two Recent Cases

by Christopher Hamacher

Übersetzung: „Zen hat keine Moral!“ – Die latente Anfälligkeit des Zenbuddhismus für Korruption und Mißbrauch am Beispiel zweier jüngerer Fälle

Es handelt sich um eine ausführliche Studie des Deutschen Christopher Hamacher der in München lebt und Zen praktiziert. Die Studie wurde kürzlich, am 7.7.2012, bei der jährlichen Konferenz der International Cultic Studies Association in Montreal vorgestellt.

Die Studie geht detailliert auf die Missbrauchspraktiken von Eido T. Shimano und Dr. Klaus Zernickow ein.

Shimano konnte in den USA gut fünfzig Jahre seinem Treiben als ‚Zenlehrer‘ nachgehen, obwohl bekannt war, daß es durch ihn immer wieder zu Missbrauchsfällen kam. Zu seinem Fall findet sich auch einiges Material hier, siehe auch die Links am untere Ende der Seite.

Dr. Klaus Zernickow (Sōtetsu Yūzen) unterhält „Mumon-Kai“, die „Erste Berliner Zen-Gemeinschaft e. V.“ in Berlin Frohnau => Link. Zernickow wird in der Studie von Hamacher ein außerordentlich „autoritärer  und kontrollierender“ Führungsstil bescheinigt. Übertretungen der Studenten werden z.B. mit hohen Geldbusen geahndet. In mindestens 12 Fällen werden im sexuelle Verhältnisse zu Schülerinnen vorgeworfen. Auf Grund der Vorwürfe ist Mumon-Kai die erste Zen-Gruppe die von einer Liste empfohlener Praxisgruppen der DBU (Deutsche Buddhistische Union) gestrichen wurde.

Neben einer detaillierten Beschreibung der beiden Fälle, enthält die Studie auch eine Analyse der typischen Verhaltensweisen autoritärer Führer im religiösen Bereich. Interessant auch die Behandlung typischer Verhaltensweisen im Zen die autoritäre Strukturen fördern.

Auf dieser Seite findet sich eine englische Zusammenfassung des Papiers. Ausserdem eine Liste der typischen autoritären Verhaltensweisen.

Die Studie ist ein wichtiges Element der Aufklärung bzgl. Missbrauchsstrukturen im Buddhismus. Sie sollte unbedingt genau gelesen und auf deutsch ausführlich dargestellt werden (wozu ich keine Zeit habe).

Ausserdem könnte aus den Warnzeichen für autoritäres Verhalten in dieser Studie, aus den Werkzeugen der Kritik die ich gestern vorstellte und aus den Elementen des Glaubens Säkularer Buddhisten eine Tafel von Elementen erstellt werden, die Hinweise geben auf Missbrauch der sich als Buddhismus verkleidet.

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Tempelschlaf

Relevanz: Literatur. Sonntag Mittag in der Laube oder vor dem einschlafen der/dem Liebsten vorlesen.

Ralf  Rothmann ist einer der wirklich fähigen zeitgenössischen deutschen Erzähler. Er fängt Situationen auf eine  sehr genau und klare Art ein. Es sind Details die ein Situation ausmachen. Details die man nur ganz persönlich so wahr nimmt. Wenn man seine Erzählungen liest, sieht man etwas, wie wenn man etwas persönlich erlebte. Das macht wohl einen guten Erzähler aus – diese Form der Phänomenologie, die im Bewusstsein des Lesers eine Form des Selbst Erlebens entstehen oder etwas wie eine klare Erinnerung wirken lässt.

Im Tempelschlaf erinnert man sich in diesem Sinne an ein kleines japanischen Zenkloster. David ist Religionswissenschaftler und mit seiner Frau Marisa auf einer Vortragsreise durch Japan. Er kommt auf die verwegene Idee einige Tage in einem  Zenkloster  zu verbringen. Rothmanns Schilderung ist weder sympathisierend noch idealisierend oder desillusionierend. Sie ist genau, lehrreich, humorvoll, überraschend. Sie enthält eine wunderbare Schilderung einer langen Zazen-Sitzung, eines kleinen Sartoris zum Abschluss als der Gong ertönt und schliesslich eine unerwartete Wendung mit der die Erzählung schließt.

Die Erzählung Tempelschlaf findet sich in Ralf Rothmanns Shakespeares Hühner, erschienen bei Suhrkamp.

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